Kurz gesagt: Force Feedback einstellen heißt in iRacing nicht „Regler aufdrehen“. Du trägst in den Fahr-Optionen unter Force Feedback die Spitzenkraft deiner Wheelbase in Newtonmetern (Nm) als Wheel Force ein, hakst Use Linear Mode nur bei Direct Drive an und lässt den Auto-Button pro Auto die Max Force messen. Min Force bleibt bei Direct Drive auf 0 %, bei Riemen- und Zahnradrädern auf 5–15 %. Ergebnis: volle Kraft ohne Clipping.
Stand: iRacing 2026 Season 3, Build 2026.06.09.01 vom 9. Juni 2026 (offizielle Release Notes). Seit dem großen Options-Umbau im 2025-Season-4-Build sind die Menüs neu sortiert – links ein anklickbares Inhaltsverzeichnis, rechts eine kurze Erklärung zu jedem Wert; die FFB-Regler liegen seitdem im eigenen Bereich Haptics & FFB der Fahr-Optionen. Die Namen der Regler und die Logik dahinter sind gleich geblieben. Der nächste Build (2026 Season 4) wird für Anfang bis Mitte September 2026 erwartet, bislang ohne angekündigte FFB-Änderung – die Werte unten gelten also weiter.
Was du brauchst
- Ein Lenkrad mit Force Feedback (FFB) – also ein motorisiertes Kraftrückmeldungs-System, egal ob Zahnrad, Riemen oder Direct Drive.
- Die Spitzenkraft deiner Wheelbase in Nm. Die gängigen Bases stehen in der Tabelle weiter unten; iRacing führt in seiner Support-Doku zu Controller-Setup und Kalibrierung selbst eine Empfehlungsliste, sonst hilft das Datenblatt des Herstellers.
- Den aktuellen Treiber deiner Base (Fanatec, Moza, Simagic, Logitech, Thrustmaster). Dort gehören Grundstärke auf 100 % und Zusatzeffekte wie Spring oder Damper auf 0 – dosieren soll iRacing, nicht der Treiber.
- Zwei, drei ruhige Runden auf einer Strecke, die du kennst. Die Kalibrierung misst mit, deshalb braucht sie saubere Fahrt ohne Kerbs und Einschläge.
Force Feedback einstellen: Schritt für Schritt
Wer Force Feedback einstellen will, ohne sich durch fremde Setup-Listen zu klicken, braucht genau vier Werte: Wheel Force, Max Force, Min Force und Damping. Der Rest ist Kalibrierung.
- Treiber zuerst sauber machen. Öffne die Software deiner Base und stelle die Grundstärke auf 100 %, den Lenkwinkel auf 900 Grad und alle Zusatzeffekte (Spring, Damper, künstliche Reibung) auf 0. Doppelt gefilterte Signale sind der häufigste Grund für ein teigiges Lenkrad.
- Wheel Range prüfen. Im Sim unter Optionen → Drive den Wheel Range auf denselben Wert wie im Treiber setzen, also 900 Grad. Den fahrzeugspezifischen Lenkwinkel rechnet iRacing selbst um – du musst pro Auto nichts anfassen.
- Wheel Force in Nm eintragen. Trage die Spitzenkraft deiner Base ein, zum Beispiel 8 bei einer CSL DD mit Boost Kit. Das ist keine Geschmacks-Einstellung, sondern die Obergrenze, gegen die iRacing rechnet – falsch eingetragen, stimmt die gesamte Kraftskala nicht.
- Schalter setzen. Enable Force Feedback an. Use Linear Mode nur bei Direct-Drive-Bases anhaken (rohes 1:1-Signal). Bei Riemen- und Zahnradrädern aus lassen, das hebt laut iRacing-Doku die schwachen Kräfte am Grip-Limit an. Reduce force when parked an, damit die Base im Stand und in der Box nicht dauerhaft gegen den Anschlag drückt.
- Kraftanzeige einschalten. Im Auto F drücken oder das Force-Meter über die On-Screen-Displays aktivieren. Der Balken mit dem F zeigt die Kraft, die gerade ans Lenkrad geht – dein einziges verlässliches Messgerät. Färbt er sich am Vollausschlag orange, clippt das Signal.
- Auto-Button pro Auto benutzen. Leg dir Auto auf eine Taste. Ein bis zwei saubere Runden fahren, dann drücken: iRacing misst die Spitzenkraft genau dieses Autos und setzt Max Force so, dass die Spitzen exakt an der Leistungsgrenze deiner Base landen. Für jedes neue Auto wiederholen. Steht der Wert bereits optimal, ist der Button ausgegraut – das ist kein Fehler.
- Min Force und Damping nachziehen. Werte je Wheelbase-Typ aus der zweiten Tabelle unten. Danach ein paar Runden fahren und den F-Balken beobachten.
Die Werte im Detail
Wheel Force ist die Nm-Obergrenze deiner Hardware, kein Gefühlsregler. Max Force ist das gemessene Spitzen-Drehmoment an der virtuellen Lenksäule des aktuellen Autos – bei einem GT3 landet der Wert nach dem Auto-Durchlauf typischerweise irgendwo zwischen 35 und 55 Nm, was nichts über die Kraft deiner Base sagt. Wichtig ist die Richtung: höhere Max Force = leichteres Lenkrad, weil iRacing die Hardware erst später ausreizt. Min Force überbrückt bei schwachen Rädern die mechanische Totzone in der Mitte; die iRacing-Doku nennt dafür ausdrücklich Fanatec-CSL-, Thrustmaster- und Logitech-Räder. Damping glättet das Signal – zu viel macht die Rückmeldung schwammig.
| Wheelbase | Wheel Force (Nm) |
|---|---|
| Logitech G29 / G923 (Zahnrad) | 2,2 (iRacing-Empfehlung) |
| Logitech G Pro (Direct Drive) | 11 |
| Thrustmaster T300 (Riemen) | 4,4 (iRacing-Empfehlung) |
| Thrustmaster T598 | 5 |
| Fanatec CSL DD | 5 (8 mit Boost Kit) |
| Moza R5 | 5,5 |
| Moza R9 | 9 |
| Moza R12 | 12 |
| Fanatec Podium DD2 | 25 |
Die Werte für Logitech, Thrustmaster und die älteren Fanatec-Bases stammen aus der Empfehlungstabelle der iRacing-Support-Doku (dort etwa 2,2 Nm für die komplette Logitech-Zahnrad-Reihe von G25 bis G923, 4,4 Nm für T300 und T500, 7 Nm für die ClubSport V2). Bei neueren Direct-Drive-Bases steht in der Doku noch nichts – dort gilt die Peak-Angabe des Herstellers, bei der CSL DD also 5 Nm ohne und 8 Nm mit Boost Kit.
| Wheelbase-Typ | Linear Mode | Min Force | Damping |
|---|---|---|---|
| Direct Drive (ab ca. 5 Nm) | an | 0 % | 0–5 % |
| Riemen (z. B. T300, T-GT) | aus | 5–10 % | 5–10 % |
| Zahnrad (z. B. G29, G923) | aus | 10–15 % | 10 %+ |
Welche Max Force am Ende herauskommt
Der Auto-Button liefert je nach Base und Auto sehr unterschiedliche Zahlen – und weil viele Leser danach suchen, hier Richtwerte für einen GT3 aus einer Fachauswertung von SimRacingCockpit: eine CSL DD mit 5 Nm landet bei rund 25 Nm Max Force, mit Boost Kit (8 Nm) bei etwa 30 Nm, ein Podium DD2 bei circa 45 Nm, starke 21-bis-25-Nm-Bases wie Moza R21 oder Simucube 2 Pro bei 50 bis 55 Nm. Liegt dein Wert deutlich darunter, hast du entweder ein leichteres Auto gefahren oder auf einem unruhigen Streckenabschnitt kalibriert.
Diese Zahlen sind Kontrollwerte, keine Vorgaben: eintippen bringt nichts, weil Max Force immer zum aktuellen Auto und zu deiner eingetragenen Wheel Force gehört. Sie helfen nur bei der Frage „ist mein Auto-Durchlauf plausibel gelaufen?“.
Typische Fehler – und was uns selbst Rundenzeit gekostet hat
- Nach Gefühl statt nach Balken. Beim Einstieg haben wir die Kraft aufgedreht, bis es „kräftig“ war. Das ist Clipping: iRacing verlangt mehr Kraft, als die Base liefern kann, und alles oberhalb der Grenze wird zu einer einzigen flachen Wand. Ausgerechnet die feinen Signale am Grip-Limit verschwinden zuerst. Wird der F-Balken orange bis rot, gehst du mit Max Force hoch oder drückst erneut Auto.
- Auto nur einmal drücken. Ein GT3 erzeugt völlig andere Lenkkräfte als ein Formelauto oder ein Stock Car. Wer die Werte vom letzten Auto stehen lässt, fährt entweder mit totem oder mit clippendem Lenkrad – und wundert sich über den Grip, den er nicht spürt.
- Min Force bei Direct Drive. Jeder Wert über 0 erzeugt auf der Geraden ein feines Dauerrütteln, das man nach zwei Stunden Endurance in den Unterarmen hat. Min Force ist ausschließlich für schwache Zahnrad- und Riemenräder gedacht.
- Über einer Bordsteinkante kalibrieren. Der Kraftausschlag der Kerbs verfälscht die Messung nach oben, danach fühlt sich das Lenkrad im Rest der Runde leblos an. Immer auf einem ruhigen Streckenteil kalibrieren.
- Zweimal filtern. Beim Force Feedback einstellen wird gern der Treiber vergessen: Wer dort schon Damping oder Grundstärke unter 100 % gesetzt hat, dämpft das Signal doppelt. Treiber neutral, dosiert wird im Sim.
- Wheel Range nur halb umgestellt. Treiber auf 1080 Grad, Sim auf 900 – dann passt der Lenkeinschlag am Bildschirm nicht zu deinen Händen, und jede Korrektur am Kurvenausgang kommt zu spät. Beide Werte müssen identisch sein.
Warum iRacing das anders macht – und was 2026 gilt
iRacing gibt die reine, physikbasierte Kraft der Lenksäule aus, statt einen zusammengemischten Effekt aus Kanteneffekten und Vibrationen. Deshalb gibt es keinen Lautstärkeregler, sondern eine Kraft, die zum Drehmoment des simulierten Autos passt. Mit dem 2024-Season-2-Build (Build 2024.03.05.01) kam das native 360-Hz-Signal dazu – 360 Kraft-Updates pro Sekunde statt der früheren 60, zuerst für Simucube- und Logitech-Bases, später für weitere Hersteller wie VRS. Seitdem ist die Rückmeldung so fein aufgelöst, dass das früher übliche Zusatztool irFFB mit selbst erzeugter LUT für Direct-Drive-Bases nicht mehr nötig ist.
Bei Riemen- und Zahnradrädern sieht es weiter anders aus: Dort kann eine per WheelCheck erzeugte LUT (eine Korrekturkurve für die Totzone) die Lenkradmitte spürbar verbessern, und der gepflegte Fork irFFB2026 rechnet zusätzliche Lenkmoment-Anteile dazu, die iRacing bewusst weglässt. Pflicht ist beides nicht – erst die vier Grundwerte sauber setzen, dann entscheiden, ob wirklich etwas fehlt.
Unser kostenloses Telemetrie-Tool PitWall haben wir unter anderem gebaut, um solche Dinge sichtbar zu machen: wo der Grip wirklich abreißt und wo du Zeit verlierst, während das Lenkrad dir längst etwas erzählt. Wenn du deine Werte gegenprüfen lassen oder einfach mit anderen deutschsprachigen Simracern quatschen willst – komm in unseren Discord, wir schauen gemeinsam auf deine Einstellungen.
Quellen
- iRacing Support: Controller Setup and Calibration – offizielle Wheel-Force-Empfehlungen in Nm, Erklärungen zu Linear Mode, Min Force, Auto-Kalibrierung und Force-Meter.
- iRacing 2026 Season 3 Release Notes [2026.06.09.01] – Build-Stand, auf den sich dieser Guide bezieht.
- iRacing 2024 Season 2 Release Notes [2024.03.05.01] – Einführung des nativen 360-Hz-FFB-Signals.
- SimRacingCockpit: iRacing FFB Settings – Fachauswertung mit typischen Max-Force-Werten pro Wheelbase.
- irFFB2026 (GitHub) – gepflegter Fork des FFB-Zusatztools für Riemen- und Zahnradräder.
Häufige Fragen
Was trage ich bei Wheel Force ein?
Die Spitzenkraft deiner Wheelbase in Newtonmetern – laut iRacing-Doku 2,2 Nm für Logitech G29/G923, 4,4 Nm für Thrustmaster T300; 5 Nm bei einer Fanatec CSL DD (8 mit Boost Kit), 9 Nm bei einer Moza R9.
Welchen Min-Force-Wert brauche ich?
Bei Direct-Drive-Bases 0 %. Bei Zahnrad- oder Riemenrädern wie dem Logitech G923 hilft ein Wert von 5–15 %, um die mechanische Totzone in der Lenkradmitte zu überbrücken.
Was bedeutet Clipping beim Force Feedback?
iRacing verlangt mehr Kraft, als deine Base liefern kann. Alles oberhalb der Grenze wird zur flachen Wand, feine Signale am Grip-Limit gehen verloren. Färbt sich der F-Balken orange, Max Force erhöhen.
Welche Max Force ist nach dem Auto-Durchlauf normal?
Im GT3 rund 25 Nm bei einer CSL DD (5 Nm), etwa 30 Nm mit Boost Kit, circa 45 Nm beim Podium DD2 und 50–55 Nm bei 21–25-Nm-Bases. Der Wert gehört zum Auto, nicht zur Base.
Wofür ist der Auto-Button?
Er misst nach ein bis zwei sauberen Runden die Spitzenkraft des aktuellen Autos und setzt Max Force so, dass kein Clipping entsteht. Pro Auto einmal drücken, nicht nur einmal insgesamt.
